Hauptverursacher des Klimawandels sind die Industriestaaten und ihre Firmen. Doch die Folgen treffen vorwiegend die Menschen in ärmeren Ländern. Unzählige Inseln riskieren mit dem Anstieg des Meeresspiegels zu verschwinden, so auch indonesische Insel Pari. Vier Inselbewohner:innen nehmen Holcim in die Verantwortung. Der multinationale Konzern verursacht doppelt so hohe CO2-Emissionen wie die ganze Schweiz.

Blogbeitrag von Yvan Maillard Ardenti vom 27.09.2022

Die Industrienationen und deren Unternehmen sind die Hauptverursacher des Klimawandels, aber unter den Folgen leiden vor allem die Menschen in armen Ländern im globalen Süden. Ihnen werden zunehmend die Lebensgrundlagen entzogen. Diese Situation ist sehr ungerecht.

Mit der Klimakrise häufen sich Wetterextreme wie Zyklone, Überschwemmungen und Dürren. Als Folge der steigenden Temperaturen erhöht sich der Meeresspiegel, tiefgelegene Küstengebiete und Inseln riskieren zu versinken. So auch die indonesische Insel Pari. Vier Inselbewohner:innen – Asmania, Bobby, Arif und Edi – haben beschlossen sich zu wehren. Sie haben ein Verfahren gegen Holcim eingeleitet. Die Indonesierin und die drei Indonesier fordern vom Schweizer Zementriesen eine Entschädigung für klimabedingte Schäden. Holcim gehört zu den Unternehmen mit den grössten CO2-Emissionen weltweit.

HEKS engagiert sich für Klimagerechtigkeit

Das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz setzt sich seit Jahren für Klimagerechtigkeit ein. HEKS hilft der lokalen Bevölkerung vieler Länder, sich an den Klimawandel anzupassen, beispielsweise mit hitzeresistentem Saatgut und agrarökologischen Anbaumethoden. Klimagerechtigkeit bedeutet auch, dass die Hauptverursacher des Klimawandels in die Verantwortung gezogen werden.

Seit 2013 anerkennen UNO-Organisationen wie das Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR), dass Schäden, die durch die Klimakrise verursacht werden, kompensiert werden müssen. Für eine solche Kompensation setzen sich HEKS und seine Partnerorganisationen ein. In Indonesien arbeitet HEKS seit 10 Jahren mit der grössten indonesischen Umweltorganisation WALHI. Dort gibt es Tausende von Inseln und Küstengebieten, die vom steigenden Meeresspiegel betroffen sind. WALHI setzt sich für eine Kompensation der Schäden ein, die die Betroffenen der Klimakrise erleiden.

Deshalb unterstützen WALHI, HEKS und das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) die vier indonesischen Fischer:innen der Insel Pari, die ein Klimaverfahren gegen Holcim eingeleitet haben, mit der Kampagne «Call for Climate Justice».

In Folge der steigenden CO2-Emissionen riskieren weite Teile von Indonesien in spätestens 30 Jahren komplett unter Wasser zu stehen.

Auf der Insel Pari beschädigen Überflutungen Häuser, Strassen und andere Infrastrukturen. Diese Überschwemmungen werden wegen des steigenden Meeresspiegels stets heftiger. Werden die globalen CO2-Emissionen nicht rasch reduziert, riskieren die Insel Pari sowie weite Teile von Indonesien in spätestens 30 Jahren komplett unter Wasser zu stehen.

CO2-Emissionen von Holcim: doppelt so hoch wie die ganze Schweiz

Für diese Schäden ist der Schweizer Konzern Holcim massgeblich mitverantwortlich. Der weltweit führende Hersteller von Zement gehört zu den 50 Unternehmen mit den grössten CO2-Emissionen weltweit, ein sogenannter «Carbon Major». Holcim verursacht zudem die grössten CO2-Emissionen von allen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Bei der Produktion von Zement werden riesige Mengen an CO2 freigesetzt. Holcim hat in den letzten 70 Jahren über sieben Milliarden Tonnen CO2 ausgestossen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die gesamte Schweiz im gleichen Zeitraum verursacht hat. Somit trägt Holcim eine massgebliche Mitverantwortung für die Klimakrise und damit auch für die kritische Lage auf der Insel Pari.

Vier indonesische Fischer:innen nehmen Holcim in die Verantwortung.

Die vier indonesische Fischer:innen nehmen Holcim in die Verantwortung: Sie haben am 11 Juli ein Schlichtungsgesuch in Zug eingereicht, wo der Zementriese seinen Hauptsitz hat. Die Indonesierin und die drei Indonesier fordern eine anteilmässige Entschädigung an bereits entstandenen klimabedingten Schäden, sowie eine Mitfinanzierung notwendiger Flutschutzmassnahmen auf ihrer Insel. Beide Parteien werden im Oktober vom Friedensrichteramt Zug zu einem Schlichtungsgespräch vorgeladen. Falls es dort zu keiner Einigung kommen sollte, können die vier Indonesier:innen eine Zivilklage gegen Holcim einreichen.

Zudem verlangen die vier Fischer:innen eine schnelle Reduktion der übermässigen CO2-Emissionen von Holcim. Die CO2-Emissionen des Unternehmens sollen gemäss Empfehlungen des Weltklimarates von 2019 bis 2030 um 43 % gesenkt werden, um die globale Erderwärmung auf 1.5 Grad zu beschränken. Holcim will jedoch seine direkten CO2-Emissionen bis 2030 nur um 17.5 % reduzieren, und zwar nur pro Tonne Zement und nicht in absoluten Zahlen. Das ist viel zu wenig, um künftige Schäden auf der Insel Pari zu verhindern.