Medienmitteilung, 22. Dezember 2025
Bedeutender Etappensieg für indonesische Fischer:innen
Zuger Gericht tritt auf Klimaklage gegen Holcim ein
Erstmals in der Schweiz lässt ein Gericht eine Klimaklage gegen einen Grosskonzern zu: Das Kantonsgericht Zug ist in allen Punkten auf die Klage von vier indonesischen Fischer:innen gegen den Schweizer Zementkonzern Holcim eingetreten. Damit ist der Weg frei für eine inhaltliche Beurteilung des Falls. Der heute kommunizierte Entscheid ist ein bedeutender Zwischenerfolg für die vier Kläger:innen und den Kampf für Klimagerechtigkeit. Sie verlangen von Holcim Entschädigung für erlittene Klimaschäden, die finanzielle Beteiligung an Flutschutzmassnahmen sowie eine schnelle Reduktion der CO2-Emissionen.
Vor dem Zuger Kantonsgericht hatten die Parteien Anfang September in einer eindrücklichen Verhandlung ihre Argumente vorgebracht. Nun hat das Gericht entschieden: Auf die Klage ist vollumfänglich einzutreten. Das Gericht hat Holcims prozessuale Einwände abgewiesen und anerkannt, dass die Kläger:innen als vom Klimawandel existentiell Betroffene Rechtsschutz verdienen. «Wir freuen uns sehr. Dieser Entscheid gibt uns die Kraft, unseren Kampf fortzusetzen», erklärte Ibu Asmania in einer ersten Stellungnahme aus ihrer Heimat, der indonesischen Insel Pari. „Das sind gute Nachrichten für uns und unsere Familien.“ Die Insel der vier Kläger:innen wird wegen des Klimawandels immer stärker überflutet. Sie hatten Ende Januar 2023 Klage gegen Holcim eingereicht, weil der Konzern mit seinen massiven C02-Emissionen massgeblich zum Klimawandel beigetragen hat – und weiterhin dazu beiträgt.
«Dringendes und aktuelles Interesse»
Der Entscheid des Kantonsgerichts Zug weist das Hauptargument von Holcim, Klimaschutz dürfe nicht vor Gericht, sondern nur in der politischen Arena verhandelt werden, unmissverständlich zurück: «Gerichtsentscheide (ersetzen) nicht demokratisch legitimierte (…) Klimaschutzpolitik, sondern ergänzen sie.» In dem Fall gehe es nicht um Schweizer Klimapolitik, sondern um konkrete Ansprüche der Menschen aus Pari. Die Schilderungen der Klagenden hätten gezeigt, dass ihr Interesse an Emissionsreduktionen durch Holcim «dringend und aktuell» sei. Der Entscheid macht klar: Ibu Asmania, Pak Arif, Pak Edi und Pak Bobby haben ein Recht darauf, dass ihre Anliegen von einem Gericht geprüft werden.
Auch das Argument Holcims, die Insel der Kläger:innen sei ohnehin dem Untergang geweiht, lässt das Gericht nicht gelten. Stattdessen stellt es klar: «Jeder einzelne Beitrag ist unerlässlich, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.» Der Einwand, dass andere Zement- und Betonproduzenten womöglich mehr emittieren, sollte Holcim seine Emissionen reduzieren, überzeugte das Gericht ebenfalls nicht. Sollten die Klagenden auch materiell gewinnen, wäre dies im Gegenteil ein Signal auch an andere Zement-Konzerne. Und: «[E]in schädigendes Verhalten [ist] nicht deshalb legitim, weil auch andere sich so verhalten». Die Kläger:innen sind damit ihrem Ziel einen wichtigen Schritt nähergekommen: Schutz für sich und ihre Insel und eine faire Verteilung der Lasten des Klimawandels, bei der nicht sie die Kosten tragen, sondern die wirklich Verantwortlichen.
Bestätigung der rechtlichen Entwicklung
Auch wenn damit erstmals ein Schweizer Gericht auf eine Klimaklage eintritt: Der Entscheid aus Zug ist keinesfalls ein Einzelfall. Die rechtliche Relevanz des Klimawandels wird heute von den höchsten Gerichtshöfen der Welt und den Gerichten zahlreicher Länder anerkannt. Die Entwicklung ist klar: Grosse Treibhausgas-Emittenten werden zunehmend zur Verantwortung gezogen. Der Entscheid des Zuger Kantonsgerichts ist zwar noch nicht rechtskräftig und kann beim Obergericht des Kantons Zug angefochten werden. Er bestätigt aber diese Entwicklung und erschwert es grossen Emittenten, sich mittels prozessualer Einwände einer Prüfung ihrer Klimaverantwortung zu entziehen. Damit ist der Entscheid ein wichtiger Schritt hin zu mehr Klimagerechtigkeit, für die sich HEKS, ECCHR und WALHI seit langem einsetzen: Wer die Klimakrise verursacht hat, soll dafür Verantwortung übernehmen.